offen und ehrlich - ausgekotzt.

Du bist im Urlaub, entspannst dich. Du hast es dir verdient, das weiß ich. Ohne Rücksicht auf dich selbst zu nehmen, hast du in der letzten Zeit nicht nur normal gearbeitet (normal heißt bei uns eine mindestens 50-Stunden-Woche), du hast auch allen Freunden und Verwandten geholfen, die Hilfe brauchten. Beim Umzug deiner Freunde, die in unsere Nachbarschaft gezogen sind, beim Umzug deiner Schwester, beziehungsweise beim Ausbau der Wohnung, in die deine Schwester kürzlich gezogen ist, deiner Mutter mit ihrer Krankheit .. Niemals sagst du „Nein“.



Ich weiß, dass du am Rande deiner Kräfte warst und es dir doch nicht eingestehen wolltest. Ich gönne dir deinen Urlaub also wirklich. Ich mag dich ja auch sehr und wünsche dir nur das Beste.

Und als du mir vorher noch gesagt hast, dass du mir jeden Tag SMS schreiben würdest, habe ich mich noch völlig naiv gefreut. Ich hab mir gedacht ‚Hey, dann denkt er jeden Tag an dich und ist dir irgendwie nah.‘ Trottel-Ich.



Als dann die erste SMS kam, wurd' mir leicht übel. Die unscheinbaren Wörtchen "wir" und "uns" haben meine Naivität in die Ecke gedrängt und zusammengeschlagen. Ich mein, ich bin ja nicht blöd und im Verdrängen bin ich so gut auch wieder nicht. Ich wusste ja, dass ihr zusammen wegfahrt. Aber irgendwie tat es wirklich weh, das jetzt nochmal so auf die Nase gebunden zu bekommen. Meine Wunschvorstellungs-SMS beinhalteten einzig und allein deine Gefühle für mich und alles was damit zusammenhängt. Mehr wollte ich nicht wissen. Nicht, wie toll eure Wohnung ist, wie schön der Strand, wie viel Spaß ihr habt. Wenn ich ganz ehrlich sein soll: Da gab es dieses kleine, miese, fiese Gift-Bärchen in meinem Hinterkopf, das sich gewünscht hat, dass du keine einzige SMS schreibst, sondern sofort höchstselbst einfach wieder kommst. Weil du mich und das Gift-Bärchen so vermisst.

Anscheinend ist dieser dumme Bär noch naiver als ich.



Naja. Ich weiß nicht mal, warum ich weiter daran festhalte. Du und ich, das wird nie was. Ich kann mir das ja nicht mal selber vorstellen. Wie solltest du das dann können? Und WARUM solltest du das WOLLEN? Ich meine, zugegeben: Ich weiß nicht viel von deinem Leben, wie es wirklich ist. Aber ich glaube zu wissen, dass es dir gut geht und ich sehe keinen Anlass, warum du etwas ändern wollen würdest. Und so ganz nebenbei tut mir die Geschichte zwischen uns eben einfach nicht gut. Du weißt es selbst. Ich heule viel zu oft, ich kratze mir die Unterarme blutig und die wirklich schmerzhaften Verspannungen schiebe ich mittlerweile auch auf dich.



Also, sag mir, warum komme ich nicht von dir los? Ist es wegen dem animalischen Sex? Wegen der Gier, mit der du mich ansiehst? Dass du ernsthafte Gefühle für mich hast, glaube ich übrigens mittlerweile schon gar nicht mehr. Ich meine, ich glaube schon, dass es möglich ist, dass du das glaubst. Aber es ist halt nun mal nicht so. Du magst mich, mehr als eine normale Freundin, das mag sein. Aber die Hauptschnittstelle zwischen uns ist halt nun einmal der Sex. Klar, du bist für mich da, wenn ich dich brauche. Aber auch nur, wenn sie dich nicht grad braucht. Das wusste ich vorher und deswegen wollte ich eine rein physische Beziehung. Du hättest meine (ohnehin sehr instabile) Psyche nie mit einbeziehen dürfen. Ernsthaft, das hat alles durcheinander gebracht.
So weit hätte ich es niemals kommen lassen dürfen.

Jetzt ist es zu spät, ich bin in einer Art und Weise an dich gekettet, die ich selbst nicht verstehe und die mich langsam aber sicher zu Grunde richten wird.

Erklär mir doch wenigstens, warum ich nicht von dir loskomme. Warum? Ich hasse dieses Gefühl der Abhängigkeit. Es lässt mich klebrig werden auf eine Art, die mich selbst abstößt. Ich werde dann die Art von Frau, die den jämmerlichen, aufmerksamkeitsheischenden Hundeblick perfekt beherrscht. Ich kann mich selbst nicht leiden, wenn ich dich so ansehe. Aber ich brauche deine Aufmerksamkeit. Ich brauche die Gewissheit, dass ich dir nicht egal bin. Und doch will ich dir das Gefühl geben, dass du mir egal bist, damit ich mein Gesicht nicht verliere. Eigentlich habe ich kein Problem damit, zu potentiellen Partnern Vertrauen zu fassen. Aber bei dir ist das was völlig anderes. Dadurch, dass du höchstens mit deinem halben Herzen bei mir bist und dadurch, das mir kein Teil von dir ganz gehört, kann ich mich 'gefühlsmäßig' bei dir nicht fallenlassen. Im Bett/auf der Couch/im Auto/whatever geht das ohne Probleme. Aber sobald es ans Eingemachte geht, fange ich an zu stottern und schaffe es nicht, meine Gedanken zu artikulieren. Du musst erst stundenlang prockeln, bevor ich mit einem Gedanken herausplatze. Und wenn er dann einmal raus ist, muss man ihn ja auch noch erklären und deuten und ... Ach.
Bevor ich mir nicht sicher bin, was ich für dich bin, werde ich dir nie die verstörende Kraterlandschaft hinter der hübschen Fassade zeigen.

Das ist doch Dreck. Was mach ich denn jetzt?

3.3.11 22:27

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen