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Und schon wieder sitze ich hier und strafe mich selbst Lügen, wenn ich mir immer wieder sage, dass ich damit klar komme und sowieso eigentlich darüber stehe.

Wie fast jeden Abend sitze ich vor meinem Rechner, wir unterhalten uns per Instant Messenger über den grade hinter uns gebrachten Tag und nebenher knabber ich an meinen Möhrchen. Diese Unterhaltungen mit dir sind irgendwie zu einem geliebten Ritual geworden, dass ich so nicht mehr missen möchte. Meistens verlaufen die Unterhaltungen nach einem ähnlichen Muster. Die ersten Minuten verbringen wir mit Fragen nach unserem jeweiligen Abendessen und in den darauffolgenden Minuten schrotzen wir über die Arbeit und unsere Kollegen. Wenn das dann irgendwann ausreichend abgehandelt worden ist, versucht einer von uns möglichst geschickt und unauffällig das Thema in die Gefühlsebene abzuschieben, damit wir auch mal über uns sprechen. Meistens bin ich das.
Leider gehört aber auch das jeweilige Ende dieser Gespräche zu dem Ritual. In den meisten Fällen schreibst du irgendwann, dass du jetzt gehen musst, weil sie gekommen ist. So unschön das ist, abgeschoben zu werden, weil jetzt Jemand besseres da ist, so wichtig ist mir doch die Information darüber.
Gestern bist du einfach so offline gegangen, ohne auch nur ein Wort. Ich saß vor meinem Rechner und dachte, du hättest ein Problem mit deinem Internet, wie ich es so oft hatte. Ich hab dir sogar eine SMS geschrieben, in der Hoffnung, dass du mir kurz sagst, wo du hin bist.
Gut eine halbe Stunde später blinkte das Feld auf meinem Monitor. Du schriebst, dass es dir leid tut, aber sie stand auf einmal in der Tür.
Wuusch, kalte Dusche.
Ich weiß gar nicht, wie ich das immer wieder schaffe, mir einzubilden, dass es nur dich und mich gibt. Kein Platz für Schmerzen, kein Platz für Ablenkungen oder Ärger. Aber irgendwie kriege ich das immer wieder hin. Und wenn ich dann sowas höre, fühlt es sich so an, als hätte jemand deinen warmen, kuscheligen Schlaf mit einem Eimer voll Eiswasser beendet hätte.
Ich weiß wirklich nicht, ob du dir auch nur im Ansatz vorstellen kannst, wie sich das anfühlt.
Ich meine, ich kann es ja nicht einmal richtig beschreiben. Ich weiß, dass du mich nie so sehen wirst, wie du sie siehst. Ich weiß, dass ich mir keine Hoffnungen machen sollte. Ich weiß, dass ich nicht die Eine für dich sein kann .. Und doch, wenn du mich berührst, scheint das alles hinten von meinem Bücherregal herunterzufallen.
Dann verdränge ich unbewusst alles, was nicht sein darf und genieße einfach nur die Zeit mit dir. Und dann werde ich unaufmerksam und in meinem Kopf tauchen diese Fragen auf. Wie wird das weitergehen? Werden wir uns in einem Jahr noch in die Augen sehen können? Was, wenn das jemals herauskommt?
Ich bin die naive, verwirrte, kleine Nuss und du bist doch der kluge, verantwortungsvolle Erwachsene. Müsstest du nicht sehen, dass unser Verhalten keine Zukunft hat und es uns allen zuliebe einfach beenden? Klar, die erste Zeit wäre seltsam und ich würde ich bestimmt nicht mehr ansehen können, ohne mir auf die Lippen zu beißen, damit sie aufhören zu zittern. Aber irgendwann würde alles wieder normal werden und uns allen ginge es gut bis an unser Lebensende.
Oh Gott, hoffentlich kommst du niemals auf die Idee, erwachsen zu handeln.



Aber bitte, bitte sag mir doch, wie das hier weiter laufen kann. Sag mir, was die Perspektiven sind.

Hilf mir, sei mein Freund.

24.3.11 15:36

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